Brüllende Löwen, gackernde Hühner tanzende Schildkröten und ein sehr lebendiger Schwan:

Camille Saint-Saens legendärer „Karneval der Tiere“ bürgt für gute Laune. Eine große Unbekannte kommt dazu.

 

Blockbuster für die Ohren

Beim Familienkonzert der Berufsfachschule für Musik (BFSM) setzte Dirigent Dieter Müller schon zum Auftakt auf Opulenz: Selten ist die Bühne des schuleigenen Konzertsaals bevölkert.

Streicher, Bläser, Schlagwerker des hauseigenen Sinfonieorchesters mit befreundeter Verstärkung saßen dicht an dicht, um Georges Bizets „L’Arlésienne Suite Nr. 2“ mit Grandezza in den Saal zu wuchten. Mal butterzart, mal rhythmusgeprägt mündete die ausgewogen intonierte Zusammenstellung aus dem reichen Fundus des „Carmen“-Schöpfers in der überschäumenden Lebenslust der provenzalischen Farandole.

Im Orchester ein bisschen abgespeckt, dafür mit zwei beeindruckenden Flügeln im Zentrum der Aufmerksamkeit, ließ Dieter Müller beim „Karneval der Tiere“ eine musikalisch aufs Korn genommene Persönlichkeit nach der anderen auftreten – ganz ohne zirzensische Sperenzchen. Alle Hände voll zu tun hatten bei diesen 14 vergnüglichen Miniaturen insbesondere die beiden Pianisten Christoph Krottenthaler und Daniel Zaus, die neben ihrer eigenen Gattung unter anderem auch noch Löwen, wilde Esel, Kängurus und sogar, anstelle der Glasharmonika, die Fische im Aquarium gaben.

Für die Textbegleitung sorgten der unvergessene Loriot als Autor und der junge Clemens Groth als versierter Sprecher. Den gerade in Sulzbach-Rosenberg nicht ganz unbekannten „Schwan“-Interpretationen fügte Cellistin Stefanie Rösch eine einfühlsame, innige Version hinzu. Hätte der Komponist das alles miterlebt, er hätte sich sicher bereits zu Lebzeiten gerne zu diesem Gesamt-Meisterwerk bekannt.

Soweit das bekannte Klassik-Repertoire des kurzweiligen Konzerts. Die große Unbekannte des Nachmittags verbarg sich hinter dem eher unspektakulären Titel „Lateinamerikanische Tanz-Suite für Orchester“. Den Komponisten dagegen kennt man in der BFSM und weit darüber hinaus allerdings sehr gut: Dieter Müller.

Was jetzt, wieder in großer Besetzung, in den Saal schwappte, kam einem Blockbuster für die Ohren gleich. Der fein elegante Schwung transportierte nicht nur in der „Fiesta“ karibisches Wohlgefühl, der voluminöse Sound entfaltete genau die Faszination, die ansonsten orchestrierte Filmmusik beim Publikum auslöst. Aber nicht nur die Zuhörer schmolzen förmlich dahin, auch den mitwirkenden Musikern unter Konzertmeister Thomas Kaes war der Genuss deutlich anzumerken. Umso größer am Ende das Bedauern diesseits und jenseits der Bühne, als nach prachtvollem „Tango“ üppigem „Valse“ und dem bondmäßig coolen Calypso zugabenlos Schluss war mit sonniger Entspanntheit.

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 Für die Textbegleitung sorgten der unvergessene Loriot als Autor und der junge Clemens Groth als versierter Sprecher.

Sulzbach-Rosenberger Zeitung
Anke Schäfer