Studenten der Nürnberger Musikhochschule aus der Kammermusikklasse von Prof. Nina Janßen-Deinzer gestalteten in der Berufsfachschule für Musik im Rahmen der institutionellen Kooperation einen erlebnisreichen Kammermusikabend. Im Mittelpunkt des Konzerts stand die Klarinette, deren warmer und volkstümlicher Klang in drei Werken aus unterschiedlichen Epochen präsentiert wurde. Stefanie Brunner, Klarinettendozentin der Berufsfachschule, hatte den Kontakt hergestellt und Schuldirektor Benedikt Boßle wies in seiner Begrüßung auf die engen Beziehungen zu den Musikhochschulen und den dort studierenden ehemaligen Sulzbacher Schülern hin.

Kammermusik 2018

    

Die erste „Kammermusikalische Köstlichkeit“, war an diesem Abend das bekannte „Stadler Quintett“ KV 581 von Wolfgang Amadeus Mozart. Hier wurde die Klarinettistin Barbara Pflanzelt von einem Streichquartett (Ayane Krug und Annika Härtig, Violinen; Marcello Enna, Viola; Sarah Lauer, Violoncello) begleitet. In der Wiener Klassik kam die Klarinette hier bei Mozart erstmals als weiteres Instrument der Kammermusik auf. Es begann mit einem sanften und lieblichen Allegro-Satz gefolgt von einem getragenen und fließenden Largo. Ein lebendiges, schwungvolles Menuett und ein virtuoses Allegro con variazioni beendeten den ersten Teil des Abends. Die fünf Studenten glänzen durch ihr harmonisches Zusammenspiel, das sie mit viel Blickkontakt zum Ausdruck bringen. Außerdem beeindruckten sie durch ihre Bandbreite an Dynamik und die gelungen Wechsel zwischen Begleitfunktion und polyphoner Phrasen.

Nach der Pause spielten Mariko Nishikawa (Violine), Heeryun (Klarinette) und Aini Ding (Klavier) ein Trio von Aram Khatschaturjan. Der erste Satz „Andante con dolore, con molto espressione“ des 1935 entstandenen Werkes zeichnete sich besonders durch einen schmerzerfüllten und sehnsuchtsvollen Ausdruck aus. Besonders Mariko Nishikawa brillierte mit kräftigem Spiel und absolut klarem Klang in den teils sehr aufwühlenden Violin-Passagen. Der zweite schnelle Satz vermittelte mit fremdländisch anmutenden Themen, in denen die Geige sowohl gestrichen als auch gezupft wurde, einen furiosen und lebhaften Duktus; der dritte Satz präsentierte sich wieder schmerzvoll.

Das Konzert beschlossen die „Kontraste“ von 1940 des Ungarn Béla Bartók für Klarinette, Violine und Klavier. Gleich als die Musiker die Bühne betraten, fiel die Besonderheit dieses Stückes ins Auge: Andrei Ciobanu trug zwei Geigen und Sandra Bazail Chvez, ehemalige Schülerin der Berufsfachschule, hatte zwei Klarinetten unter dem Arm. Béla Bartók fordert in diesem Stück tatsächlich den Wechsel zwischen mehreren Instrumenten. Im ersten Satz zeigten sich die Kontraste besonders durch Wechsel zwischen Passagen mit einer sehr virtuosen Klarinettenstimme mit zurückgenommener Begleitung und Teilen, in denen alle zusammen sehr laut im forte spielen. Gerade Mika Yamamoto brillierte mit vollem Körpereinsatz und Engagement am Klavier.

Im Gegensatz dazu stand der 2. Satz, dessen geheimnisvoll düstere Stimmung sich leise wie ein Nebelschleier über die konzentrierten Zuhörer legte und eine spannungsgeladene Atmosphäre erzeugte. Im 3. Satz kamen schließlich die anders gestimmten Zweitinstrumente zum Einsatz – die umgestimmte Violine (alla scordatura) und die Klarinette in A. Dieser Satz präsentierte sich lebhaft, abwechslungsreich und aktiv mit einem äußerst komplizierten Rhythmus. Der Applaus am Ende donnerte genauso, wie das furiose Ende eines wieder gelungenen Konzertes in den Räumen der Berufsfachschule für Musik. Der Appetit der Zuhörer auf kammermusikalische Köstlichkeiten wurde in vollem Umfang erfüllt und ließ sie die Eiseskälte draußen vergessen.

(Alina Gundelach)

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